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Probenfoto „Die Walküre“. Walküren © OFS/Forster
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50 Jahre Osterfestspiele Salzburg: Zum Jubiläum eine „Walküre“ als Re-Kreation und eine „WalküRe“ als erklärende Draufgabe

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Was sonst noch passierte: Gundula Janowitz hat heuer ihre erste „Walküre“ erlebt - als Zuschauerin. Auf der Bühne stand sie in dieser Wagner-Oper natürlich schon häufig, nicht zuletzt in der Eröffnungspremiere der allerersten Osterfestspiele Salzburg am 19. März 1967. Damals gab’s Schneesturm.

Nach Bayreuther Vorbild – und zugleich in deutlicher Abgrenzung dazu – sowie als Pendant zu den 1920 von Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal ins Leben gerufenen Salzburger Festspielen gründete Herbert von Karajan dieses besondere Festival. Dieser Tage feiert es sein 50jähriges Bestehen – in frühlingshaftem Sonnenschein.

Zum Auftakt der seit 2013 von der Sächsischen Staatskapelle Dresden bespielten und von deren Chefdirigent Christian Thielemann als Künstlerischem Leiter verantworteten Festspiele gab es (um diese wunderbare Wortkreation jenes Sprachraums noch einmal zu nutzen) heuer einen bekenntnishaften Blick zurück. Die Re-Kreation der Eröffnungsinszenierung, die Karajan nicht nur musikalisch, sondern auch als Regisseur betreut hatte, wurde zu einer bereits im Vorfeld umstrittenen Herangehensweise. Eine „Walküre“ im Bühnenbild von vor einem halben Jahrhundert ist da schon mal als „reaktionär“ bekrittelt worden, obwohl noch niemand wissen konnte, wie Regisseurin Vera Nemirova im Nachbau des historischen Bühnenbildes von Günther Schneider-Siemssen mit dieser Vorlage umgehen würde.

Gut möglich, dass Salzburgs Festspielpublikum für teuer Geld in ein theatrales Museum entführt worden ist – aber was, bitteschön ist denn gegen ein Museum zu sagen? Für einige wenige ist es ein Wiedersehen gewesen, für die meisten eine Begegnung mit legendärer Opernhistorie – und für Gundula Janowitz halt die erste „Walküre“ aus Zuschauerperspektive.

Das Schönste aber ist: Ganz Salzburg feiert dieses Jubiläum! Die Stadt ist mit Plakaten, Fahnen und Fotos geschmückt, beim ORF gibt’s eine Fotoausstellung des Kajaran-Archivs und im Salzburg Museum wird „WalküRE 1967 bis 2017“ präsentiert, eine anschauliche Geschichtsstunde zu Wagner, Karajan und Schneider-Siemssen. Alles dreht sich um die Re-Kreation eines Bühnenwerks.

All das dürfte es der Regisseurin Vera Nemirova nicht eben leicht gemacht haben, in der den gewaltigen Bühnenraum des Großen Festspielhauses ausnutzenden und von Jens Kilian wiederhergestellten Architektur eine eigene Handschrift zu finden. Die riesige Weltesche im ersten Bild, die assoziative Ring-Gestaltung einer abstrakten Landschaft, die Andeutungen von Verwobenheit und Abgründigem sind optisch schon vorhanden, bevor der erste Mensch darin auftaucht.

Doch welch ein Personal hat diese Re-Kreation zu bieten! Angefangen mit Peter Seiffert, der als Siegmund durch die orchestral umstürmte Einöde huscht und im Schutz der Esche erst auf Anja Harteros als schwesterliche Sieglinde und dann auf Georg Zeppenfeld als seinen Widersacher Hunding trifft. Da herrschen spielerische Souveränität und sängerische Großleistungen, wie sie von Vitalij Kowaljow als stark sensiblen Wotan und Christa Mayer als selbstbewusster Fricka nicht minder umgesetzt werden. Und auch Anja Kampe als mutige Brünnhilde ist nicht nur eine sportive Darstellerin, sondern gestaltet mit einer Stimme von wunderbarem Format. So gelingen – neben der eher statischen Walküren-Darstellung – anrührende Szenen, sei es im verzweifelt begehrenden Ringen der Geschwister, sei es in der auch visuell verschriftlichten Familienaufstellung des Götter-Clans, und ganz besonders in der väterlichen Strafaktion des dann doch sehr menschlich unmenschlichen Götterhelden, der seine Tochter auf den vom Feuer umtosten Felsen in fernere Zeiten schlafen lässt.

Dazu darf die Staatskapelle als ein Hauptdarsteller in diesem überhaupt nicht angestaubt oder gar reaktionär wirkenden Opus noch einmal betörend auffahren. Und ein schon zu den Pausen kräftig gefeierter Christian Thielemann beweist sich eindrücklich als Bewahrer des Feuers, das er vom einstigen Karajan-Assistenten in eine Nachfolge trägt, die geradezu zeitlos zu sein scheint.

Diese „Walküre“ ist ein Gesamtkunstwerk. Gundula Janowitz hat eine gute Wahl getroffen.

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